Brennpunkt Physiotherapie 7

Die Botschaft: Wir müssen Physiotherapie im Dienste der Gesundheit organisieren.

Gesundheit ist nicht schwarz oder weiß. 

Nicht nur gesund oder krank.
Nicht nur arbeitsfähig oder arbeitsunfähig.
Nicht nur Behandlung oder keine Behandlung.

Zwischen diesen Polen liegt ein riesiger Bereich, der von biologischen, psychischen und sozialen Faktoren beeinflusst wird. Genau deshalb sprechen wir heute vom biopsychosozialen Modell.

Wenn Gesundheit so komplex ist, dann muss auch unser Gesundheitssystem in diesem Zusammenhang betrachtet werden.

Jeder Beteiligte trägt Verantwortung.

Der Patient.

Die Leistungserbringer – Hausärzte, Fachärzte, Physiotherapeuten, Psychotherapeuten, Pflegekräfte und viele andere.

Die Krankenkassen.

Die Berufsgenossenschaften.

Die Unfall- und Rentenversicherungen.

Die Unternehmen.

Die Wirtschaft.

Und natürlich die Politik.

Doch allzu oft betrachten wir Gesundheit in getrennten Zuständigkeiten, statt in gemeinsamen Lösungen.

Jeder verwaltet seinen Bereich.
Jeder optimiert seine Prozesse.
Jeder kontrolliert seine Kosten.
Und jeder dokumentiert seine Verantwortlichkeiten.

Dabei gerät manchmal aus dem Blick, worum es eigentlich geht: den Menschen.

Zu oft beschäftigen wir uns damit, wer zuständig ist, wer bezahlen muss und wer die Verantwortung trägt.

Zu selten beschäftigen wir uns mit der Frage, wie wir Gesundheit tatsächlich fördern, erhalten und wiederherstellen können.

Das Ergebnis sind Parallelstrukturen, Doppelarbeit, Bürokratie und eine zunehmende Fragmentierung des Systems.

Dabei wird Gesundheit nicht in Schubladen organisiert.

Der Patient erlebt sein Leben nicht getrennt nach Krankenkasse, Rentenversicherung, Berufsgenossenschaft oder medizinischer Fachrichtung.

Er erlebt nur eines: seinen Gesundheitszustand.

Und genau deshalb müssen wir aufhören, Gesundheit ausschließlich aus der Perspektive einzelner Systeme zu betrachten.

Wir benötigen einen gemeinsamen Blick auf Prävention, Gesundheitsförderung, Behandlung und Rehabilitation.

Wir benötigen mehr Zusammenarbeit und weniger Abgrenzung.

Mehr Umsetzung und weniger Verwaltung.

Mehr Verantwortung und weniger Zuständigkeitsdiskussionen.

Wir benötigen ein System, das Menschen begleitet und führt – nicht nur verwaltet.

Ein System, das Prävention ernst nimmt.

Ein System, das sekundäre und tertiäre Prävention nicht als Kostenfaktor betrachtet, sondern als Investition.

Ein System, das die Kompetenzen aller Gesundheitsberufe nutzt und miteinander vernetzt.

Und wir benötigen politische Entscheidungsträger, die nicht nur auf bestehende Machtstrukturen reagieren, sondern bereit sind, über den Tellerrand hinauszudenken und neue Wege zu organisieren.

Denn die Herausforderungen unserer alternden Gesellschaft werden wir nicht durch mehr Bürokratie lösen.

Nicht durch noch mehr Zuständigkeiten.

Und nicht durch immer neue Kontrollen.

Wir werden sie nur lösen, wenn wir Gesundheit wieder als gemeinsame gesellschaftliche Aufgabe verstehen.

Die Frage ist nicht, wie wir die Kosten unseres Gesundheitssystems begrenzen.

Die eigentliche Frage lautet:

Wie organisieren wir Gesundheit so, dass Menschen möglichst lange gesund bleiben, selbstständig leben können und gleichzeitig die vorhandenen Ressourcen sinnvoll genutzt werden?

Darauf werden wir Antworten finden müssen.

Nicht irgendwann. Sondern jetzt.