Brennpunkt Physiotherapie 5

In Teil 5 der ags-Serie nehmen wir die Kostenstruktur in den Fokus.

Physiotherapie ist teuer? Dann sollten wir vielleicht zuerst darüber sprechen, was wir eigentlich bezahlen.

Wenn über Gesundheitsausgaben gesprochen wird, werden häufig alle Kostenarten in einen Topf geworfen.

Doch Ausgaben für Medikamente funktionieren völlig anders als Ausgaben für Heilmittel.

Ein Medikament kann produziert, gelagert, transportiert und tausendfach verkauft werden.

Eine physiotherapeutische Behandlung funktioniert anders. Jede einzelne Behandlung benötigt einen Therapeuten, einen Behandlungsraum, Verwaltungsaufwand und einen festen Termin.

Man kann Krankengymnastik nicht lagern. Man kann sie nicht automatisiert produzieren.

Man kann sie nicht importieren. Man kann sie nur erbringen. Und zwar von Menschen für Menschen. Deshalb bestehen die Kosten einer Physiotherapiepraxis überwiegend aus Personalkosten und Raumkosten.

Mindestens 65 Prozent der Einnahmen fließen direkt in die Mitarbeiter.

Hinzu kommen noch so 20% an:

  • Mieten
  • Energiekosten
  • Verwaltungsaufwand
  • Dokumentation
  • Digitalisierung
  • Fortbildungen
  • Medizinprodukte
  • Qualitätsmanagement

Gleichzeitig wird die Vergütung von außen festgelegt. Die Einnahmen bestimmen somit direkt die Gehälter.

Und genau hier beginnt das Problem.

Während tarifgebundene Einrichtungen des öffentlichen Dienstes deutlich höhere Gehälter zahlen können, muss der ambulante Bereich mit wesentlich geringeren finanziellen Möglichkeiten arbeiten. Der ambulante Bereich trägt jedoch einen Großteil der wohnortnahen Versorgung.

Genau dort fehlen die finanziellen Spielräume.

Die Folge:

Die besten Fachkräfte wechseln häufig dorthin, wo höhere Gehälter gezahlt werden können.

Nicht weil die Arbeit attraktiver ist. Sondern weil Miete, Energie und Lebensmittel ebenfalls bezahlt werden müssen. Und damit entsteht ein Teufelskreis.

Zu geringe Einnahmen führen zu geringeren Gehältern.

Geringere Gehälter erschweren die Personalgewinnung. Weniger Personal verschlechtert die Versorgung. Und anschließend wundert man sich über den Fachkräftemangel.

Zu geringe Einnahmen führen zu geringeren Gehältern.

Geringere Gehälter erschweren die Personalgewinnung.

Weniger Personal verschlechtert die Versorgung.

Und anschließend wundert man sich über den Fachkräftemangel.

Doch es gibt noch einen weiteren Aspekt, der in gesundheitspolitischen Diskussionen häufig übersehen wird:

Geld im Heilmittelbereich bleibt überwiegend in der regionalen Wirtschaft.

Ausgaben für Heilmittel sind nicht mit vielen anderen Gesundheitsausgaben vergleichbar.

Ein großer Teil der Vergütung einer Physiotherapiepraxis fließt direkt in Gehälter. Dieses Geld verschwindet nicht in anonymen Strukturen, sondern wird unmittelbar wieder Teil des regionalen Wirtschaftskreislaufs.

Mitarbeiter bezahlen davon ihre Miete, kaufen Lebensmittel, nutzen Dienstleistungen, bezahlen Handwerker und konsumieren vor Ort.

Dasselbe gilt für die Praxis selbst.

Sie mietet Räume, beschäftigt Verwaltungskräfte, kauft Medizinprodukte, investiert in Fortbildungen und beauftragt lokale Unternehmen.

Jeder Euro, der in die ambulante Physiotherapie investiert wird, erzeugt deshalb nicht nur Gesundheitsleistungen, sondern auch regionale Wertschöpfung und Arbeitsplätze.

Wer bei personalkostenintensiven Gesundheitsberufen spart, spart deshalb nicht einfach nur Ausgaben ein.

Er reduziert gleichzeitig Einkommen, Kaufkraft und Beschäftigung in der Region.

Während bei vielen anderen Gesundheitsausgaben ein erheblicher Teil der Wertschöpfung außerhalb der Region oder sogar außerhalb Deutschlands entsteht, bleibt das Geld im Heilmittelbereich überwiegend dort, wo die Versorgung stattfindet:

Bei den Menschen vor Ort.

Vielleicht sollten wir deshalb aufhören, Physiotherapie ausschließlich als Kostenfaktor zu betrachten.

Denn hinter jeder physiotherapeutischen Leistung stehen Menschen.

Und Menschen sind keine Massenware.

„Jeder Euro, der in die ambulante Physiotherapie investiert wird, erzeugt nicht nur Gesundheitsleistungen, sondern auch regionale Wertschöpfung und Arbeitsplätze.“